Comeback: Der Filterkaffee

Macchiato, Cappuccino - alles kalter Kaffee?
Endlich kann man akzentfrei Decaf-Macchiato, Soja-Cappuccino und Low-Fat-Latte bestellen, und jetzt ist Omas Filterkaffee das neue heiße Ding? Wer damit eine stundenlang auf der Warmhalteplatte einreduzierte bittere Plörre assoziiert, ist nicht allein. Vergeblich der Versuch, mit fünf Löffeln Zucker und einer halben Kanne Milch geschmacklich etwas zu retten. Jede Tasse ein Garant für saures Aufstoßen! Tatsächlich hat Brewed Coffee heute nichts mehr mit dem Magenschleimhautkratzer vergangener Tage gemein. Vielmehr feiert der Filterkaffee in Deutschland eine Renaissance, weil er so gut ist. Nur wegen des Geschmacks, seiner Qualität und Bekömmlichkeit konnte er beim anspruchsvollen Kaffeehauspublikum hierzulande überhaupt wieder salonfähig werden.

Die nächste Generation - Tropfen für Tropfen Qualität
Auch in England oder den USA beobachtet man einen Run auf Brew Bars, zum Beispiel in New York. Dort nennt man den Filterkaffee Drip Coffee (to drip von "tropfen"). Und das tut er auf der Drip-Station, der Kaffeemaschine. Ehrensache, dass der Barista von heute das fast schon meditative Tröpfeln standesgemäß zelebriert. Der Experte spült den Filter zunächst heiß durch, nimmt exquisiten, frisch gemahlenen Kaffee aus der Spitzenrösterei und stellt die Stoppuhr. Beliebtes Erfrischungsgetränk, beispielsweise in Japan: Cold Dripper. Hier tröpfelt (eis-)kaltes Wasser langsam übers Kaffeepulver. Beim Brühprozess hat jeder Profi seine eigene Philosophie und Gerätschaft. Und für den Hausgebrauch? Reine Geschmackssache. Vom nostalgischen Porzellanfilter für den Handaufguss über die praktische Thermoskannenlösung bis zum individuell programmierbaren Fastbrew-Computer mit Leuchtdisplay ist alles auf dem Markt.

Bohnenqualität, Brühgerät - wie gelingt guter Filterkaffee?
Egal, für welches Fabrikat oder Brühsystem man sich entscheidet: Es sollte stets eine hohe Brühtemperatur herrschen - ideal sind über 90 Grad. Kaffeeexperten sagen: Je hochwertiger die Bohne, je perfekter Röstung und Mahlgrad, je weicher das Wasser, je intensiver der Brühprozess, je sorgfältiger die Reinigung der Geräte, desto besser ist das Geschmackserlebnis. Längst fachsimpeln Kaffeeverkoster und Edelgastronomen über die neue Spitzenqualität von profund aufgebrühten Filterkaffees wie über jene von edlen Whiskys oder Weinen. Ersoff das Kaffeearoma bis vor kurzem noch in Bergen süßen, weißen Schaums, verzichten Filterkaffee-Aficionados eher auf Milch, Sahne oder Zucker. Richtig guter - also sortenreiner - Filterkaffee kann für sich allein stehen. Er kommt mal nussig, mal beerig, mal aprikosig daher, mal fein, mal rassig - und hat es nicht nötig, sich hinter üppigen Geschmacksträgern zu verstecken. Außerdem wächst die Zahl der "Laktose-Intoleranten" und Figurbewussten sowieso.

Weniger Milch, mehr Geschmack - und gut für den Geldbeutel
Jetzt haben wir also gelernt, unsere italienischen Siebträgermaschinen selbst zu reinigen, wissen, bei wie viel Grad der Milchschaum fest wird und beherrschen fünf Blümchenformen in Latte Art. Wir haben sämtliche Ersparnisse beim sündteuren Pad- und Kapseltrinken aufgebraucht. Und jetzt das: Dieser Kreuzberger Filterkaffee duftet herrlich und schmeckt hervorragend! Satt, voll, rund und zugleich samtig-weich. Leicht süßlich und vollaromatisch. Fehlt eigentlich nur noch ein Stück Kuchen. Vielleicht ehrlicher Bienenstich?