Eine Bohne erobert die Welt

Von Äthiopien aus trat der Kaffee seinen Siegeszug um den Globus an. Um die Geschichte des magischen Tranks rankt sich tausendundeine Legende.

 

9. Jahrhundert
Aufgekratzte Ziegen und wache Mönche

 

11. bis 16. Jahrhundert
Von Äthiopien bis Damaskus

 

17. bis 18. Jahrhundert
Die Kaffeewelle schwappt nach Europa

 

Bis heute:
Der Kaffeekult hält an

9. Jahrhundert

Es war einmal eine Ziege im Königreich Kaffa in Äthiopien, die aß so gern von den roten Früchten eines bestimmten Strauchs. Immer wenn sie das tat, sprang sie anschließend unruhig hin und her. Das fiel ihrem Hirten auf. War da vielleicht Magie im Spiel? Weit gefehlt. Koffein!

Der Hirte kostet selbst von den Früchten und stellt deren belebende Wirkung fest. Davon bekommen die Mönche eines nahen Klosters Wind und experimentieren mit den Kirschen und ihren Kernen herum. Mirakulös: Nach deren Verzehr können sie nächtelang beten, ohne müde zu werden. Nur dieser eklig bittere Geschmack ...

Schließlich werfen sie die Früchte enttäuscht ins Feuer. Doch was ist das plötzlich? Welch wundervolles Aroma! Die Glaubensbrüder pulverisieren die gerösteten Bohnen und machen Aufgüsse damit. Einmal umrühren - fertig ist der erste Kaffee der Menschheitsgeschichte. Das alles geschieht im 9. Jahrhundert nach Christus. So jedenfalls geht die Legende. 

11. bis 16. Jahrhundert

Die ersten schriftlichen Hinweise auf Kaffee stammen aus dem 11. Jahrhundert. Ein arabischer Philosoph erwähnt ein jemenitisches Heilmittel: bunchum. Viele Historiker sind sich sicher, dass er damit Kaffee meint.

Die belebende Bohne ist also von Äthiopien in die arabische Welt gelangt - vermutlich im Gepäck äthiopischer Krieger. Im Arabischen wird der Trank als "Wein des Islam" gern und reichlich konsumiert - Alkoholhaltiges ist den Moslems schließlich verboten.

Sprachwissenschaftler mutmaßen, dass das Wort "Kaffee" vom arabischen Qahwah ("das Erregende") stammt. Im 15. Jahrhundert breitet sich das Getränk rasch weiter aus - über Mekka und Medina ins arabische Großreich bis nach Kairo. 
 
Im 16. Jahrhundert wabert das köstliche Kaffeearoma tief ins Osmanische Reich hinein, wo es die Menschen in der Hauptstadt Konstantinopel betört. Nach Damaskus und Aleppo werden hier 1554 die ersten Kaffeehäuser eröffnet.

17. und 18. Jahrhundert

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts beginnt ein Niederländer Kaffeepflanzen in der damaligen Kolonie Java in großem Stil zu kultivieren. Im subtropischen Klima des heutigen Indonesiens gedeihen die Plantagen prächtig.

Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Kolonialmächte die Kaffeewelle endgültig in die europäischen Heimatländer spülen. Der neue Exportschlager lässt in Venedig, London, Wien und Paris die Kaffeehäuser wie Pilze aus dem Boden schießen.

Hierzulande erweist sich die Teehochburg Bremen als Kaffee-Vorreiter: In der Hansestadt können die Deutschen erstmals 1673 ein Kaffeehaus besuchen. Die berühmte Wiener Kaffeehauskultur wurzelt übrigens in einem türkischen "Missgeschick": Als die osmanischen Truppen 1683 in Wien zurückgedrängt werden, lassen sie Hunderte Kaffeesäcke zurück.

Seither zelebrieren die Österreicher den Kaffeekult wie kaum eine andere Nation. Ob mit "Melange" oder "Einspänner", "Kapuziner" oder "Großem Braunen". Die Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach wird 1732 in einem Kaffeehaus uraufgeführt.

Bis heute: Der Kaffeekult hält an

Die deutsche Kaffeegeschichte spiegelt bis heute die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sowie den Zeitgeist unseres Landes wider. Ersatzprodukte wie Zichorienkaffee kommen im 18. Jahrhundert in Mode.

Im 19. Jahrhundert wird Kaffee durch alle Gesellschaftsschichten hindurch zum Volksgetränk. Während der Inflation in den 1920ern kostet ein Pfund Kaffee plötzlich drei Milliarden Mark. Im Zweiten Weltkrieg kommt kaum noch echter Bohnenkaffee ins Land, und in den Wirtschaftswunderzeiten nach 1945 erfährt die schöne Tradition des Kaffeekränzchens eine neue Blüte. Bald schon kann sich den einstigen Luxusartikel jeder leisten: gemahlener Kaffee liegt vakuumverpackt in den Supermarktregalen und kostet nur noch ein paar Mark neunundneunzig.

Spätestens seit Coffee to go reißenden Absatz findet, ist der Kaffeebecher aus unserem Straßenbild nicht mehr weg zu denken. Jüngster Trend im 21. Jahrhundert sind Luxuskaffees, die wie Weine, Schokoladen oder Olivenöle fachmännisch verkostet und medial gehypt werden. Dem Zicklein sei dank!